und weiter geht’s!
23 02 201090. Minute im Spiel FC Luzern – AC Bellinzona. Das Heimteam führt mit 2:1. Der 4. Schiedsrichter an der Linie zeigt vier zusätzliche Minuten Spielzeit an und als die Matchuhr auf 90:00 springt, beginne ich mit meiner Stoppuhr die effektiv gespielte Nachspielzeit festzuhalten. Als ich das Gefühl habe, dass die vier Minuten bald um sein müssten, konsultiere ich meine Uhr. 1:40 gespielt. Verdammte Nachspielzeit. Auch durch das ewige Nachfragen der Leute neben mir verbessert sich die Sache nicht. Im Gegenteil. Wie mir kluge Köpfe nämlich mitteilen, geht es gefühlsmässig umso länger, je mehr man nachschaut. Aha.
Da sich diese Szene erst ca. 18 Stunden vor meinem neuerlichen Abflug abspielte, hätte mir diese Tatsache während meines heutigen Fluges von Zürich nach Washington eigentlich präsent sein müssen. Trotzdem konnte ich es nicht lassen, alle geschätzte 10 Minuten auf die Uhr zu blicken, um festzustellen, dass wieder nur zehn statt 60 Minuten vergangen sind; umso ärgerlicher, dass der 4-Stunden-Schlaf auch keine 30 Minuten dauerte. Man lerne: Im Flugzeug verhält es sich manchmal wie mit der Nachspielzeit – nur noch schlimmer, insbesondere wenn man das Leid mit niemandem teilen kann. So war Flug Nr. 16 seit meinem Reisestart wohl der anstrengendste Flug. Zum Glück konnte ich mich vorher zu Hause zehn Tage erholen.
Das Schöne an der Geschichte ist jedoch, dass ich 17 Stunden nach meinem Abflug in Zürich doch noch an meinem (vorläufigen) Ziel gelandet bin: Seattle. Dies vor allem dank der Tatsache, dass der oben erwähnte erste Flug tatsächlich 55 Minuten (!) zu früh in Washington landete. So erwischte ich trotz knapp 2 1/2 Stunden Wartezeit am Zoll (danke, liebe Amerikaner) im letzten (und ich meine im allerletzten!) Moment noch meinen Anschlussflug. Der war dann so, wie eigentlich alle Flüge sein müssten: Einsteigen, einschlafen und knappe 5 Stunden später von den netten Worten, dass man in wenigen Minuten lande, wieder geweckt werden. Perfekt.
Vorerst bleibt nun aber wenig Zeit die Metropole im Nordwesten der USA zu erkunden. Denn wenn alles planmässig verläuft, werde ich bereits Morgen Dienstag mit dem Zug nach Kanada weiterreisen und bei den Schweizer Olympioniken in Vancouver nach dem Rechten schauen. Es ist mir zu Ohren gekommen, dass Patrick Küng in seiner Paradedisziplin dringendst Unterstützung braucht. Here I am! Ob es allerdings auch zum Besuch einer Sportveranstaltung reicht, weiss ich selbst noch nicht. Ansonsten gibt es sicher auch sonst einiges zu sehen in der angeblich schönsten Stadt Nordamerikas und der lebenswertesten Stadt weltweit. Na, wenn das mal keine Referenz ist.
Nach den ersten Eindrücken von Vancouver wird es sicherlich wieder ein Blog-Update geben. Bis dahin rate ich euch, ab und zu mal die Olympischen Spiele im TV zu verfolgen und wer weiss, vielleicht taucht bei den Zuschauern ja plötzlich ein bekanntes Gesicht auf.
unglücksrabe du.